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Vorwort Drucken
Sonntag, den 17. Juli 2011

Elektrosmog – ein populärwissenschaftlicher Begriff, der mit der Verbreitung von Mobil­funktechnologien (Handys, Masten, WLAN, DECT etc.) zunehmend Einzug in den sprachlichen Alltag gefunden hat. Der Begriff Elektrosmog setzt sich aus den drei Be­griffen Elektro, Smoke und Fog zusammen und ist eigentlich keine fachlich korrekte Umschreibung der relevanten physikalischen Zusammenhänge. Korrekte Bezeichnun­gen sind beispielsweise magnetische Felder, elektrische Felder, elektromagnetische Felder, elektromagnetische Strahlung und Mikrowellen. Eher populäre Ausdrücke sind Funk, Funkstrahlung, Funkwellen, etc. Mit Smog bzw. Smoke und Fog hat das Ganze im physikalischen Sinn überhaupt nichts zu tun. Der Begriff Smog wurde an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert für die undurchdringliche Mischung aus Nebel und Rauch aus den zahllosen Einzelöfen der Städte Grossbritanniens geprägt. In den 1970-er Jah­ren umschrieb Smog die lästige und gesundheitsschädliche Erscheinung hoher Fein­staubbelastung (beispielsweise im Umfeld von Kohleindustrien) in Verbindung mit be­stimmen Wetterlagen. Grosse Teile der Bevölkerung erkrankten damals, und es gab so­gar Todesopfer zu beklagen. Mit dem Zusammenzug der beiden Begriffe „Elektro“ und „Smog“ will man heute die ebenfalls lästigen und gesundheitsschädlichen Auswirkungen elektromagnetischer Felder bzw. elektromagnetischer Strahlung umschreiben. Vor die­sem Hintergrund wird auch der Ansatzpunkt unserer Petition für weniger Funkstrahlung deutlich. So wie die Politik damals mit geeigneten Massnahmen versucht hat, die ge­sundheitsschädliche Belastung der Bevölkerung durch Smog zu reduzieren, so soll mit Hilfe der Petition für weniger Funkstrahlung die Politik heute dazu bewogen werden, die unerwünscht hohe Belastung mit Elektrosmog zu vermeiden. Die Schwierigkeit besteht leider darin, dass man Elektrosmog im Gegensatz zum Smog der 1970-er Jahre weder sehen noch riechen kann. Andernfalls hätten die politisch Verantwortlichen wohl längst geeignete Massnahmen für den Gesundheitsschutz ergriffen.

 

In der vorliegenden Informationsschrift werden einige der wichtigsten Stichworte im Spannungsfeld „Elektrosmog – Gesundheitsrisiken – Wissenschaft – Politik“ auf ver­ständliche Weise kurz erläutert. Es werden viele komplexe Zusammenhänge und Tatsa­chen angesprochen, die für den unvorbereiteten Leser auf den ersten Blick bedenklich, ja teilweise sogar schockierend wirken. Die Informationsschrift ist bewusst kurz gehal­ten, um sich einen raschen Überblick verschaffen zu können. Sie enthält für Interessier­te aber viele Quellenangaben und Hinweise auf weiterführende Literatur.

 

Diese Informationsschrift setzt sich lediglich mit hochfrequenten elektromagnetischen Feldern bzw. elektromagnetischer Strahlung auseinander. Anders ausgedrückt: Sie be­fasst sich nur mit Funkanwendungen. Diese begannen Ende des 19. Jahrhunderts mit der Radiotelegraphie (Morse-Technik). Ab den 1920-er Jahren kam der Radiorundfunk dazu, in den 1930-er Jahren der Radar, ab den 1950-er Jahren der Fernsehrundfunk, und viele andere Funkanwendungen. Ab den 1980-er Jahren wurden die Mobilfunknet­ze mit den Handys und ihren Sendemasten (Handyantennen) aufgebaut. Ihre Nutzung explodierte um die Jahrtausendwende. Heute werden die Mobilfunknetze immer mehr auch vom „mobilen Internet“ benützt. Mit dem mobilen Zugang zum Internet arbeiten in­ternetfähige Handys, Smart Phones, tragbare Computer (Laptops, Netbooks), eBooks (Kindle etc.) und was noch alles erfunden wird. Dazu kommen die konzessionsfreien und die häuslichen Funkanwendungen wie drahtlose Computernetzwerke (WLAN), Schnurlostelefone (DECT), Babyphones, drahtlose Computermäuse, Headsets, Blue­tooth-Geräte, private Wetterstationen, Alarmanlagen und viele weitere Anwendungen. Dementsprechend steigt der Pegel der elektromagnetischen Immissionen, denen wir mittlerweile alle ausgesetzt sind, von Jahr zu Jahr.

 

Niederfrequente elektrische und magnetische Felder, wie sie beispielsweise bei Hoch­spannungsleitungen, Trafostationen, Bahnleitungen und der Hausinstallation vorkom­men, werden hier nicht behandelt. Das bedeutet allerdings nicht, dass diese Form des Elektrosmogs nicht auch ernsthafte gesundheitliche Probleme bei den Betroffenen ver­ursachen kann und aus diesem Grund bei zukünftigen Massnahmen auf politischer Ebene Berücksichtigung finden muss.

 

Mit der Petition für weniger Funkstrahlung sollen Vorstösse einzelner Politiker im Natio­nalrat unterstützt werden. Die auf dem politischen Parkett unternommenen Aktionen dieser mutigen Parlamentarier mögen vor dem beschriebenen Hintergrund und ange­sichts des umfangreichen Handlungsbedarfs zaghaft erscheinen. Gerade auch die von der Funkstrahlung bereits stark geschädigten Menschen könnten deshalb von den bis­herigen Vorstössen enttäuscht sein. Die Anrufe verzweifelter Elektrosensibler, die nicht mehr wissen, wie sie ihren Alltag einigermassen geschützt vor Strahlung bestehen kön­nen, häufen sich mehr und mehr. „Wann geschieht endlich etwas?“, fragen sie. „Wir wissen nicht mehr, wohin fliehen.“

 

Wer die politischen Kräfteverhältnisse in unserem – und nicht nur in unserem – Land kennt, weiss jedoch, dass zunächst nur kleine Schritte unternommen werden können. Die gegenwärtigen parlamentarischen Mehrheitsverhältnisse scheinen dies aufzuerle­gen. Wir fragen deshalb: Um wieviel muss sich menschliches Leiden durch elektroma­gnetische Strahlung noch vergrössern und ausweiten? Wie sehr müssen individuelle fi­nanzielle Verluste noch wachsen? Wie stark muss die Last der riesigen, von der Allge­meinheit zu tragenden sozialen Kosten des Mobilfunks drücken? Müssen wir wirklich warten, bis ein derart grosser Teil der Bevölkerung durch die stetig steigende Strahlung ernsthaft krank wird, bevor endlich mutige Schritte in Richtung einer gesundheits- und sozialverträglichen, das Privateigentum respektierenden und volkswirtschaftlich ver­kraftbaren Mobilfunktechnik getan werden?

 

 

 

St. Gallen, im Advent 2009

 

Das Petitionskomitee für

 

„weniger Funkstrahlung.ch“

 
Elektrosensibilität Drucken
Sonntag, den 17. Juli 2011

Elektrosensible (international: Electrohypersensitive, abgekürzt EHS) sind Menschen, deren Organismus auf elektromagnetische Felder bzw. Strahlungen reagiert. Die indivi­duelle Reaktion reicht von leichten, kaum störenden Wahrnehmungen über Symptome wie Kopfdruck oder Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Sehstörungen, Herzarrhythm­ien, Bein- und Armschmerz, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, Dauermüdigk­eit, Nervosität.... bis zu plötzlichen depressiven oder aggressiven Anfällen, Allergies­chocks, Stürzen, epileptischen Anfällen, Ohnmachten etc. Die Zusammenhänge sind in der Praxis längst evident. Oft wird auch ein Zusammenhang mit einer individuel­len Schwermetallbelastung (z.B. Quecksilber) oder mit Metallprothesen beobachtet.

 

Wissenschaftlich bestehen noch Zweifel, wann und wie EHS ausgelöst wird, weil bishe­rige Studien zur Erforschung der individuellen Fähigkeit, elektromagnetische Strahlung bzw. elektromagnetische Felder wahrzunehmen, meist ergebnislos waren. Dafür gibt es viele Gründe: Ungeeignete Probandenauswahl, bloss Kurzzeitbestrahlung, Vorbelas­tung durch die Anreise zum Versuchslabor etc. Es gab zwar vereinzelte Probanden mit sehr hoher Trefferquote, aber man liess sie gezielt durch die Maschen der statistischen Auswertung fallen. Neuere Forschungsabeiten von unabhängiger Seite belegen einen direkten Zusammenhang zwischen Bestrahlung und unregelmässiger Herztätigkeit. Da das Herz natürliche elektromagnetische Felder erzeugt, ist es plausibel, dass es selber auch auf technisch erzeugte Felder reagiert.

 
Bevölkerungsanteil der Elektrosensiblen Drucken
Sonntag, den 17. Juli 2011

Eine Schweizer Studie1 mit Daten von 2005 hat einen Anteil von 5% Elektrosensiblen an der Gesamtbevölkerung ermittelt. Heute, vier Jahre später, ist ihre Zahl infolge des steigenden Strahlungspegels höher. Aus Mangel an Informationen erkennen zudem vie­le Betroffene die Ursache ihrer Symptome nicht. In der Schweiz gibt es demnach zur Zeit (2009) etwa eine halbe Million Menschen mit leichten oder mittleren bis schweren Symptomen des sogenannten „Mikrowellensyndroms“. Dieses Syndrom war bereits in den 1930-er Jahren bekannt2. Das Wissen darüber wurde zuerst durch das Militär, dann durch die Industrie bis heute unterdrückt. Wissenschaftler kamen 2006 aufgrund aller erhältlichen Daten zum Schluss, dass - bei gleichbleibendem Trend - bis im Jahr 2017 die Hälfte der Gesamtbevölkerung elektrosensibel geworden sein könnte3.

1 Schreier N, Huss A, Röösli M : The prevalence of symptoms attributed to electromagnetic field ex­posure: a cross-sectional representative survey in Switzerland . Soz Praventiv Med 51 (2006): 202–209

2 Schliephake E: Arbeitsergebnisse auf dem Kurzwellengebiet. In: Deutsche Medizinische Wochen­zeitschrift, Nr. 32, 5. August 1932, 58. Jahrgang.

3 Hallberg Ö, Oberfeld G. : Letter to the Editor: Will we all become electrosensitive? Electromagnetic Biology and Medicine, 25: 189–191, 2006

 
Bloss die Spitze des Eisbergs Drucken
Sonntag, den 17. Juli 2011

Der überwiegende Teil der Bevölkerung merkt heute (noch) nichts von der Strahlung. Al­lerdings kennen immer mehr Menschen andere, die darunter leiden, sodass die Akzep­tanz des Phänomens der Elektrosensibilität allmählich steigt. Faszination an den techni­schen Möglichkeiten der drahtlosen Kommunikation oder Autoritätsgläubigkeit wirken der Bewusstseinsbildung jedoch entgegen. Eines der häufigsten Argumente ist der Aus­ruf: „Es kann doch nicht sein, dass uns der Staat vor alledem nicht schützt!“. Doch die Elektrosensiblen sind bloss die Spitze des Eisbergs. Sie sind gleichsam unser Früh­warnsystem. Durch ihr Leiden warnen sie uns alle. Die Erfahrung ist: Elektrosensibel werden manche buchstäblich von einem Tag auf den andern. Eine Hypothese ist die, dass sich Elektrosensibilität durch allmähliche Schwächung der Abwehrkraft unerkannt bei vielen Menschen vorbereitet und irgendwann durch ein starkes elektromagnetisches Ereignis ausgelöst wird. Auch steigt die Anfälligkeit für Elektrosensibilität mit dem Alter.

 

Elektromagnetische Strahlung bzw. elektromagnetische Felder sind jedoch keineswegs nur ein Problem für Elektrosensible. Wir alle sind auch bioelektromagnetische Wesen. In den Zellen unseres Organismus sind Elektrizität und Magnetismus vorhanden. Elek­trosensible jedoch nehmen von äusseren elektromagnetischen Einflüssen verursachte Störungen ihres Organismus wahr und leiden darunter in unterschiedlichem, oft starkem Ausmass. Dass Nichtsensible keine entsprechenden Wahrnehmungen oder Beschwer­den haben, braucht nicht zu bedeuten, dass ihr Organismus langfristig nicht auch Scha­den erleidet. Diesbezüglich ist die Forschung noch am Anfang. Unabhängige Forscher und manche Ärzte warnen aber angesichts der verbreiteten Handynutzung durch Kinder und Jugendliche, dass da eine ganze Generation mit verfrühtem Auftreten neurodege­nerativer Krankheiten und solchen des Herz-Kreislauf-Systems sowie von Tumoren her­anwachsen könnte. Man muss inzwischen davon ausgehen, dass grundsätzlich jede Person ab einer bestimmten kumulierten Strahlendosis elektrosensibel werden kann.

 
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