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Handy-Gespräche am Steuer verboten Drucken
Sonntag, den 18. Dezember 2011

In den USA sollen Handy-Gespräche während des Fahrzeuglenkens generell verboten werden

Die nationale Verkehrssicherheitsbehörde der USA (NTSB), legte an der Sitzung ihres Ausschusses vom 13. Dezember 2011 einen umfassenden Katalog mit Empfehlungen zur Vermeidung von Verkehrsunfällen wegen Unaufmerksamkeit vor.

Anhand eines eindrücklichen Verkehrsunfalls mit verschiedenen Beteiligten, wurde unter mehreren Risikofaktoren dargelegt, wie gefährlich insbesondere die Ablenkung von Autofahrern durch Handy-Gespräche, durch SMS-Schreiben und durch das Bedienen elektronischer Geräte wie Smartphones sein kann. Untersuchungen zeigen nämlich, dass diese gefährliche Ablenkung des Fahrers auch dann gegeben ist, wenn mit einer Freisprecheinrichtung telefoniert wird. Deborah A.P. Hersman von der NTSB sagt dezidiert: «Nicht wo Ihre Hände sind, sondern wo Ihr Hirn ist, zählt.» Als logische Konsequenz empfiehlt die nationale Verkehrssicherheitsbehörde der USA, die Gesetzgebung so anzupassen, dass generell tragbare elektronische Geräte für alle Fahrzeuglenker in Zukunft verboten werden. Solche Geräte sollen nur noch in Notfallsituation zulässig sein, oder wenn sie so konzipiert sind, dass sie das eigentliche Fahren unterstützen.

Es wird zudem empfohlen, das Verbot mit Nachdruck landesweit durchzusetzen und eine umfassende Aufklärungs- und Informationskampagne für Autofahrer zu lancieren. Ausserdem wird der Verband der Handy- und Unterhaltungselektronikhersteller (CTIA) aufgefordert, technische Lösungen zu entwickeln, die dem Fahrzeuglenker das Telefonieren mit dem Handy während der Fahrt verunmöglichen, es in Notfällen aber zulassen. Mit den vorgeschlagenen Massnahmen soll die Zahl der ständig steigenden Unfälle wegen Unaufmerksamkeit rasch gesenkt werden. In den USA kamen vergangenes Jahr rund 3'000 Menschen wegen Unaufmerksamkeit im Strassenverkehr ums Leben.

Eine Untersuchung der Kantonspolizei Thurgau vom Frühling 2011 hat ergeben, dass rund ein Drittel aller Verkehrsunfälle wegen Unaufmerksamkeit, auf das Konto von telefonierenden Fahrzeuglenkern geht. Zahlreiche Untersuchungen und Studien zeigen nämlich, dass das Telefonieren am Steuer genau so risikoreich ist, wie das Fahren in angetrunkenem Zustand. Dabei spielt es keine Rolle ob mit oder ohne Freisprecheinrichtung telefoniert wird. Der Dachverband Elektrosmog Schweiz und Liechtenstein hat aus diesem Grund alle kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren und die zuständige Bundesrätin Simonetta Sommaruga schriftlich angefragt, um zu erfahren, was unsere Behörden gegen die prekäre Situation zu unternehmen gedenken.

Die verschiedenen Antwortschreiben der zuständigen Bundes- und Kantonsbehörden zeigen, dass das Problem offensichtlich hinlänglich bekannt ist. Die Verantwortlichkeiten werden allerdings abgeschoben und die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse mit zum Teil abstrusen Begründungen nicht anerkannt. Ernsthafte Gegenmassnahmen seien nicht geplant, da man Umsetzungsschwierigkeiten befürchtet. Besonders irritierend ist die Reaktion von BundesrätinSommaruga, welche durch ihr Bundesamt für Strassen (ASTRA) mitteilte, dass neben wissenschaftlichen Erkenntnissen auch die Interessen der Wirtschaft berücksichtigt werden müssten. Im Klartext heisst das wohl, dass man auf die finanziellen Interessen der Handy-Firmen Rücksicht nehmen müsse. Die vielen durch Unaufmerksamkeit im Strassenverkehr geopferten Menschenleben zählen bei unseren Behörden demnach wenig bis gar nichts.

Frei übersetzter Auszug aus der Rede der Vorsitzenden des NTSB, Deborah A.P. Hersman
«[...] Zwei Leben wurden in einem unaufmerksamen Augenblick ausgelöscht und 3'000 weitere Men-schen verloren im vergangenen Jahr auf ähnliche Weise ihr Leben im Strassenverkehr. Leben - ausgelöscht in einem Augenblick, während dem Tippen einer SMS, während eines Tastendrucks. [...] Ja - wir haben elektronische Geräte, um in Verbindung zu bleiben. Aber - ein Unfall unterbricht diese Verbindung - dauerhaft. Es ist an der Zeit, diese Unaufmerksamkeit zu stoppen. Kein Anruf, keine SMS, kein Daten-Update ist ein Menschenleben wert. [...]»

Auszug aus dem Antwortschreiben (27.9.2011) von Direktor Rudolf Dieterle des Bundesamtes für Strassen, welches er im Auftrag von Bundesrätin Sommaruga an den Dachverband Elektrosmog Schweiz und Liechtenstein schickte.
«[...] Tatsächlich besagen neue Studien, dass das Telefonieren am Steuer mit Freisprecheinrichtung einen grösseren Ablenkungseffekt haben kann als bisher angenommen. [...] Politische Entscheide stützen sich zudem nicht nur auf wissenschaftlichen Erkenntnissen ab; sie müssen auch andere Aspekte wie die Praktikabilität, die Verhältnismässigkeit und die Wirtschaftsverträglichkeit in die Überle-gungen miteinbeziehen. [...] Ein Verbot für das Telefonieren mit einer Freisprechanlage ist daher in nächster Zeit nicht zu erwarten. Laufend sind wir aber daran, die neuesten Erkenntnisse, welche für ein generelles Handyverbot sprechen, zu prüfen. [...] »


Weitere Informationen
http://www.ntsb.gov/news/events/2011/gray_summit_mo/presentations.html
http://www.nsc.org/Pages/NSCApplaudsIIHSEffortstoUnderstandEffectsofCellPhoneUseLegislation.aspx
http://www.20min.ch/digital/handy/story/28492436
http://www.20min.ch/news/zuerich/story/10959396
http://www.lenken-statt-ablenken.ch
http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/7153070.stm
http://www.trl.co.uk/